Der OEE (Overall Equipment Effectiveness) ist der zentrale Kennwert für die tatsächliche Effizienz einer Verpackungslinie. Eine Maschine mit 50 % OEE produziert nur die Hälfte ihres theoretischen Potenzials: Jeder gewonnene Prozentpunkt entspricht direkt mehr Produktionskapazität – ohne in neue Anlagen investieren zu müssen.
Wie man den OEE einer Verpackungsmaschine berechnet
OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität. Die Verfügbarkeit misst, wie lange die Maschine tatsächlich produziert im Verhältnis zur geplanten Zeit (einschließlich Störungen, Rüsten, Formatwechsel). Die Leistung vergleicht die tatsächliche Geschwindigkeit mit der theoretischen Maximalgeschwindigkeit. Die Qualität misst den Anteil konformer Verpackungen am Gesamtprodukt.
Beispiel: Eine Tiefziehmaschine mit 80 % Verfügbarkeit, 85 % Leistung und 95 % Qualität hat OEE = 0,80 × 0,85 × 0,95 = 64,6 %. Ein OEE von 65–75 % gilt als Branchendurchschnitt für Lebensmittel-Verpackungslinien. Best-in-Class überschreiten 85 %.
- OEE < 50 %: kritisch, sofortiger Handlungsbedarf
- OEE 50–65 %: unter dem Durchschnitt, großes Verbesserungspotenzial
- OEE 65–75 %: Branchendurchschnitt Lebensmittel
- OEE 75–85 %: gutes Niveau, weitere Optimierung möglich
- OEE > 85 %: Best-in-Class, als Benchmark zu halten
Die häufigsten Verluste auf Verpackungslinien
Die Six Big Losses gliedern sich in drei Kategorien: Verfügbarkeitsverluste (Störungen, Rüsten/Formatwechsel), Leistungsverluste (Kurzstillstände, reduzierte Geschwindigkeit) und Qualitätsverluste (Anlaufausschuss, Ausschuss während der Produktion). Auf Lebensmittel-Verpackungslinien sind Formatwechsel und Kurzstillstände durch Produktstau die größten Verlustquellen.
- Störungen: vorbeugende Wartung planen, MTBF > 200 Stunden
- Rüsten/Formatwechsel: Ziel < 30 Minuten mit SMED
- Kurzstillstände: Produktzuführung automatisieren
- Reduzierte Geschwindigkeit: Zyklusparameter je Produkt optimieren
- Anlaufausschuss: durch standardisierte Vorwärmverfahren reduzieren
- Produktionsausschuss: SPC auf Nettogewicht und Siegelnaht
Typische OEE-Werte nach Maschinentyp
Manuelle Kammern erreichen typische OEE-Werte von 45–60 %, bedingt durch den Faktor Mensch (Bedienervariabilität, Pausen, Ermüdung). Automatische Kammern und Tray Sealer erzielen bei guter Wartung 65–80 %. Vollautomatische Tiefziehmaschinen können mit Industrie 4.0 und vorausschauender Wartung über 85 % erreichen.
- Manuelle Einzelkammer: typischer OEE 45–60 %
- Automatische Doppelkammer: typischer OEE 60–75 %
- Halbautomatischer Tray Sealer: typischer OEE 65–75 %
- Vollautomatische Tiefziehmaschine: typischer OEE 70–85 %
- Integrierte Automatiklinie I4.0: typischer OEE 80–90 %
OEE in der Praxis verbessern
Der erste Schritt ist Messen: Ohne Daten keine Verbesserung. Ein einfaches Datenerfassungssystem einzuführen (auch nur ein Stillstandprotokoll) ist der Ausgangspunkt. Die drei größten Verluste identifizieren und dort ansetzen. Eine OEE-Verbesserung von 10–15 % in 6–12 Monaten ist mit gezielten Maßnahmen realistisch.
- Schritt 1: Verfügbarkeit, Leistung und Qualität täglich messen
- Schritt 2: die 3 Hauptverluste mit einem Pareto-Diagramm identifizieren
- Schritt 3: SMED-Maßnahmen zur Reduzierung der Formatwechselzeiten
- Schritt 4: geplante vorbeugende Wartung (TPM)
- Schritt 5: Bedienerschulung zum Umgang mit Anomalien
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